Mehr kundenfreundlicher Nahverkehr im Kreis Unna
Lothar Ebbers von Pro Bahn NRW zu Gast bei der SPD-Kreistagsfraktion


28.3.2018

Kreis Unna.

„Fahrgäste steigen in Bus und Bahn um, wenn die Qualität stimmt“, stellte Lothar Ebbers vom Fahrgastverband Pro Bahn NRW zu Beginn seines Vortrages im Kreishaus klar. Eingeladen hatte die SPD-Kreistagsfraktion den Experten zu einem Rundumschlag über einen kundenfreundlichen Nahverkehr im Kreis und der Region. Sitzungsleiter Jens Hebebrand konnte auch Vertreter von CDU, den Grünen, der FDP und der GfL(Gemeinsam für Lünen) begrüßen.

Die Ausgangslage sei klar, begann Ebbers: Der Kreis Unna ist Teil der Metropolregion Ruhr, rund ein Fünftel zählt zum Ballungskern und der überwiegende Teil wird als Ballungsrand definiert. Wichtiger Bezugspunkt der regionalen Verkehre ist der Oberzentrum Dortmund. Daran müsse sich der regionale Nahverkehr messen lassen und das erläuterte Ebbers in seinen Ausführungen.

Grundsätzlich, so Ebbers, sei der Kreis Unna im Schienenverkehr gut aufgestellt. Das sei Folge der kommunalen Verantwortung für den Schienennahverkehr und die habe dafür gesorgt, dass in den vergangenen Jahrzehnten deutliche Verbesserungen für die Kunden erreicht werden konnten, so die Einschätzung von Ebbers. Am Bahnhof Kamen kann man beispielsweise täglich beobachten, wie stark das verbesserte Schienenangebot Richtung Westen inzwischen wahrgenommen wird.
Es gebe aber auch Sorgenkinder: Dazu zählt der Experte die Fahrgastzahlen auf der S4 (Unna/Dortmund-Lütgendortmund) und auf der RB 54 Unna-Fröndenberg.

Lothar Ebbers wies auf Themen hin, mit denen sich auch die Kommunalpolitik auseinandersetzen sollte:

  • Die fehlende Zweigleisigkeit zwischen Lünen und Münster führt zu Verspätungen, ist ein Haupthindernis für eine kundenfreundliche Taktung des Schienennahverkehrs und behindert damit die Nachfrageentwicklung. Hier erhofft er sich bis Ende 2018 eine klare Botschaft zum Ausbau über die Bewertung im Bundesverkehrswegeplan(und damit verbunden die längst überfällige Einstufung in den vordringlichen Bedarf!).
  • Der Fernverkehr hat grundsätzlich Vorrang - dies führt zu häufig zu Verspätungen z.B. bei den Regionalexpresslinien 1, 6 und 7 unter denen besonders die Berufspendler leiden müssen.
  • Störungen bei den Verkehrsunternehmen auf der Schiene sind auch dem Personalmangel geschuldet. Das führt häufig zu massiven Qualitätsproblemen.

Ebbers unterbreitet auch konkrete Vorschläge: Perspektivisch sieht er den Ausbau des Ost- sowie des Südkopfes Dortmund auf der Tagesordnung stehen.  Nur so ließe sich das Angebot stabil fahren - das gilt auch für den RRX(Rhein-Ruhr-Express), der ab Ende 2018 mit dem Vorlaufbetrieb startet.

Klare Botschaft von Pro Bahn zur acht-wöchigen Streckensperrung Dortmund-Kamen-Hamm im Sommer 2018: Hier fordert  Ebbers einen Runden Tisch aller Beteiligten um den Ersatzverkehr mit Bussen zu klären.
„Das Jahrzehnt der Baustellen auch in der Region hat gerade erst begonnen“, so die Einschätzung von Lothar Ebbers.  Großbaustellen sind bei DB Netz zwei Jahre vorher bekannt. Zeit genug, ordentlich und kundenfreundlich den Ersatzverkehr zu planen.

Zur Schiene gehört auch die Vernetzung mit einem guten Angebot im Busverkehr. Und hier ist der Kreis Unna gerade dabei den Entwurf des neuen Nahverkehrsplans für den Kreis zu beraten. Bis Ende des Jahres können die Stellungnahmen aus den Kommunen zu dem vorliegenden Entwurf abgegeben werden. Lothar Ebbers sieht vor allem Nachholbedarf im Kreis bei den Betriebszeiten: „Der Betriebsschluss im Kreis Unna liegt deutlich früher als z.B. im Kreis Recklinghausen – obwohl die Siedlungsstruktur vergleichbar ist“. Hier sollte z.B. mehr an Schichtarbeiter und junge Menschen gedacht werden.

„Bergkamen ohne Schienenanschluss“ – das bleibt nicht nur für Ebbers ein Ärgernis. Das sieht auch Kay Schulte, SPD-Ratsmitglied aus Bergkamen und 1. stellvertretender Bürgermeister so. Er will aber auch bei den Busverbindungen in seiner Stadt noch intensiv diskutieren.

Im Blickpunkt der Diskussion stand auch die Stadt Selm. Bürgermeister Mario Löhr warf die Frage auf: „Warum gehört z.B. Lünen zum VRR-Kragen, aber nicht Selm?“ Die Verkehre sind doch klar auf Dortmund und damit den Verkehrsverbund Rhein-Ruhr ausgerichtet, so seine Einschätzung. Jens Hebebrandsagte für die SPD-Kreistagsfraktion zu, Daten und Fakten von der Verwaltung einzufordern um diese Frage auch vor dem Hintergrund möglicher finanziellen Auswirkungen beantworten zu können – Stichwort „verbundbedingte Mindereinnahmen“ .



Hintergrund
Im Kreis Unna ist für den regionalen Schienenpersonenverkehr der kommunal getragene Zweckverband Nahverkehrsverband Westfalen-Lippe(NWL) zuständig. Er hat seinen Sitz an der Friedrich-Ebert-Straße, neben dem Kreishaus.
Bis auf Unna-Fröndenberg-Neuenrade berühren alle Linien auch den VRR(Verkehrsverbund Rhein-Ruhr).

Die kreiseigene Busgesellschaft VKU(Verkehrsgesellschaft Kreis Unna) ist für rund 90% aller Busleistungen im Kreisgebiet verantwortlich und befördert jährlich rund 14,5 Mio. Fahrgäste. Im Südkreis(Fröndenberg) fährt u.a. der Westfalenbus.
Außerdem finanziert die Stadt Lünen zusammen mit dem Kreis Unna im Rahmen einer Vereinbarung mit der DSW 21 die Stadtbahnlinie 43 zwischen Lünen-Brambauer und Dortmund.



 




 

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