SPD-Kreistagsfraktion besucht Beatmungs-WG
Mehr Lebensqualität für Schwerstkranke schaffen

16.05.2019

Kreis Unna/Bergkamen.

Die Zahl schwerstpflegebedürftiger Patienten, die auch auf künstliche Beatmung angewiesen sind, wächst. Während sie noch bis vor wenigen Jahren in Krankenhäusern dauerhaft stationär versorgt werden mussten, erlaubt der medizinische Fortschritt heute, viele Pflegeleistungen in den ambulanten Bereich zu verlagern und somit auch sehr kranken Menschen ein weitgehend selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. „Es ist beeindruckend, was hier geleistet wird“, so Angelika Chur, sozialpolitische Sprecherin der SPD-Kreistagsfraktion und Vorsitzende des Kreissozialausschusses. Sie besuchte gemeinsam mit dem SPD-Arbeitskreis Soziales den AERO Pflegedienst in Bergkamen – einer von acht hochspezialisierten, ambulanten Intensivpflegediensten im Kreis Unna.

Die Kreispolitiker wurden von Sozialdemokraten aus dem Bergkamener Rat, der Bergkamener Beigeordneten Christine Busch sowie dem Sozialdezernenten des Kreises Unna, Torsten Göpfert und Norbert Diekmännken, Leiter des Fachbereichs Arbeit und Soziales, begleitet. AERO-Geschäftsführer Nikolaos Alexiou und Pflegedienstleiterin Eveline Knospe stellten ihnen insbesondere das Konzept der so genannten Beatmungs-WGs vor. AERO bietet zwei dieser Wohngemeinschaften in Bergkamen mit rund 20 Plätzen an. Insgesamt gab es 2018 knapp 70 Plätze im gesamten Kreisgebiet. Die weiteren Standorte: Kamen, Lünen, Schwerte und Unna.

In den ambulant betreuten WGs für außerklinische Beatmung und intensivmedizinische Betreuung werden die Patienten rund um die Uhr von einem multiprofessionellen Team begleitet und unterstützt. In den beiden Bergkamener Wohngemeinschaften steht ein gemütlicher Gemeinschaftsbereich mit Wohnküche als Herzstück jeder WG zur Verfügung. Die privaten Zimmer können alle Bewohner nach eigenen Vorstellungen und mit eigenen Möbeln gestalten. „Uns ist es ganz wichtig, dass jeder Bewohner und jede Bewohnerin sich bei uns zuhause fühlt und wir das Zusammenleben gemeinsam gestalten“, betont Nikolaos Alexiou.

Da die fachlichen Anforderungen sehr hoch sind, wird die außerklinische Intensivpflege ausschließlich von examinierten Pflegekräften übernommen, die darüber hinaus über spezielle Qualifizierungen verfügen und kontinuierlich geschult werden. Der Kreis Unna als zuständige Aufsichtsbehörde überprüft in der Regel jährlich die Einrichtungen.

Eine besondere Herausforderung für das Pflegeteam: Die Patienten, die zeitweise oder dauerhaft bei der Atmung auf maschinelle Unterstützung angewiesen sind, sollen nicht nur optimal versorgt werden, sondern auch möglichst aktiv am Leben teilnehmen. So werden unter anderem Ausflüge in die Umgebung angeboten. Ist ein WG-Bewohner zu einer Familienfeier eingeladen oder möchte Freunde besuchen, wird auch das möglich gemacht. „Kompetenz, Zeit und Zuwendung schaffen Perspektiven für Schwerstkranke, die ein wirklich großes Plus an Lebensqualität bedeuten“, so Angelika Chur.

Eine Alternative zum Leben in der Wohngemeinschaft ist für Beatmungspatienten die Eins-zu-Eins-Betreuung in den eigenen vier Wänden, die ebenfalls von AERO und anderen spezialisierten Pflegediensten im Kreis Unna angeboten wird. Durchschnittlich 4,5 Fachkräfte je Patienten sind dafür notwendig. Die Kosten übernehmen wie bei der WG Kranken- und Pflegekasse. „Es hängt natürlich sehr von den Lebensumständen jedes Einzelnen ab, ob dieses Modell realisierbar ist“, so Eveline Knospe.
Insgesamt ist der Kreis Unna mit den verschiedenen Anbietern der ambulanten Intensivpflege und auch der Anzahl der Pflege-WGs im Vergleich zu anderen Kreisen und Städten in NRW sehr gut aufgestellt, betont Kreissozialdezernent Torsten Göpfert.

Allerdings: Der Bedarf wird mit Blick auf die demografische Entwicklung weiter wachsen. Die Sozialpolitikerinnen und Sozialpolitiker bezeichneten denn auch den Ausbau der bedarfsgerechten Pflege in all ihren Formen, ihre Einbindung ins Quartier und die Verzahnung von stationären und ambulanten Leistungen als eine der ganz großen Herausforderungen der Zukunft. „Die Pflege gilt es in allen Formen zu stärken und den Pflegeberufen mehr Ansehen zu verschaffen“, so Angelika Chur.

 

Bild:
Angelika Chur, Vorsitzende Kreissozialausschuss (1.von links)
Christine Busch, Beigeordnete Stadt Bergkamen (3. von rechts)
Torsten Göpfert, Kreissozialdezernent (rechts)
Nikolaos Alexiou, Geschäftsführer AERO (4. von rechts)
Dirk Hoppe, Geschäftsführer AERO (Bildmitte)

 

 

 

 

 

 

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